Wenn der Bauherr ChatGPT fragt: Wie Planungsbüros in der KI-Suche gefunden werden

1. Einführung: Die Vorauswahl beginnt im Chatfenster von ChatGPT
Ein Bauherr, der ein Büro sucht, tippt seine Frage heute nicht mehr zwingend in ein Suchfeld. Er stellt sie einem Chatprogramm, in ganzen Sätzen, und bekommt eine Antwort mit drei bis fünf Namen darin. Wer in dieser Antwort nicht vorkommt, kommt für ihn nicht vor.
Das ist keine Prognose, sondern bereits messbar.
Für die Bauwirtschaft ist das unbequem, weil die Regeln dieser Auswahl nirgends veröffentlicht sind. Es gibt keine Norm, kein Regelwerk und keine Behörde, an die man sich halten könnte. Es gibt aber Messungen, und die widersprechen einem großen Teil dessen, was derzeit als Beratungsleistung verkauft wird.
Der Stand in Zahlen zu ChatGPT
50 Prozent der Internetnutzer in Deutschland verwenden zumindest manchmal den Chat mit einer KI statt der klassischen Suche. 12 Prozent nutzen überwiegend oder ausschließlich die KI. (Bitkom, 1.030 befragte Internetnutzer, 2025)
42 Prozent derjenigen, die KI für die Suche nutzen, haben davon schon falsche oder erfundene Angaben erhalten. Nur 57 Prozent prüfen die Antworten nach. (Bitkom, 2025)
Erscheint in der Google-Suche eine KI-Zusammenfassung, klicken 8 Prozent der Nutzer noch auf ein Ergebnis. Ohne Zusammenfassung sind es 15 Prozent. (Pew Research Center, 68.879 ausgewertete Suchen, 2025)
Von den in KI-Zusammenfassungen zitierten Seiten standen zuletzt 37,9 Prozent in den ersten zehn Treffern. Ein Jahr zuvor waren es rund 76 Prozent. (Ahrefs, 863.000 ausgewertete Suchergebnisseiten, 2026)
97 Prozent aller angelegten llms.txt-Dateien wurden in einem vollen Monat kein einziges Mal abgerufen. (Ahrefs, 137.210 untersuchte Domains, 2026)
In KI-Suchmaschinen gefunden werden heißt, als Quelle in einer generierten Antwort aufzutauchen. Das System sucht dafür passende Textstellen im Netz, legt sie dem Sprachmodell vor und lässt daraus eine Antwort formulieren. Wer in diesen Textstellen nicht vorkommt, kann nicht zitiert werden, unabhängig davon, wie gut die eigene Website gestaltet ist.
Der Aufbau dieser Sichtbarkeit ist Handarbeit über Monate. Wer das nicht nebenher leisten will, holt sich dafür eine Agentur für KI-Suchmaschinenoptimierung und behält die fachlichen Inhalte im eigenen Haus. Was dabei belegbar wirkt, zeigen die folgenden Abschnitte.
2. Welche Systeme überhaupt gemeint sind
Der Sammelbegriff KI-Suchmaschinen fasst mehrere Anwendungen zusammen, die technisch verwandt, im Alltag aber verschieden sind.
ChatGPT. Das bekannteste System. Es beantwortet Fragen im Gespräch und ruft dafür bei Bedarf aktuelle Seiten ab. Diese Funktion heißt ChatGPT Search.
Die Übersicht mit KI bei Google. Über den klassischen Suchergebnissen steht eine zusammengefasste Antwort. Im Englischen heißt sie AI Overviews. Daneben gibt es den AI Mode, ein Chatfenster innerhalb der Suche.
Gemini. Googles eigenes Chatprogramm, getrennt von der Suche.
Perplexity. Eine Suchmaschine, die jede Aussage mit einer Fußnote belegt. Für fachliche Recherche ist sie beliebt.
Copilot. Die Variante von Microsoft, eingebaut in Windows und in die Office-Programme.
Alle genannten Systeme sind in einer Grundversion kostenlos nutzbar. Eine reine Suchmaschine ganz ohne künstliche Intelligenz zu finden, wird dagegen zunehmend schwierig.
Für Ihr Büro ist die Unterscheidung weniger wichtig, als sie klingt. Alle diese Systeme suchen zuerst nach Textstellen im Netz und formulieren daraus ihre Antwort. Wer in diesen Textstellen vorkommt, wird meist in mehreren Systemen genannt.
Wer nirgends steht, fehlt überall.
3. Wie eine KI-Antwort entsteht
Ein Sprachmodell hat zwei Gedächtnisse. Das eine steckt fest im Modell und stammt aus dem Training; es lässt sich nicht aktualisieren und kann nicht sagen, woher es etwas weiß. Das andere ist ein durchsuchbarer Bestand von Dokumenten, der jederzeit austauschbar ist.

Kommt eine Frage herein, sucht das System zuerst in diesem Bestand. Es legt dem Modell die gefundenen Textstellen vor und lässt die Antwort daraus formulieren. Fachleute nennen dieses Verfahren Retrieval Augmented Generation.
Für Sie folgen daraus zwei Dinge. Erstens: Die Antwort kann sich ändern, ohne dass am Modell etwas geändert wurde. Zweitens: Auffindbarkeit und Widerspruchsfreiheit Ihrer Angaben entscheiden darüber, was in der Antwort landet.
Es ist wie bei einem Gutachter, der nur das verwerten kann, was in der Akte liegt.
4. Was sich dadurch für Büros ändert
Die bequemste Annahme lautet: Wer bei Google gut steht, steht auch in der KI-Antwort. Diese Annahme war einmal richtig und ist es nicht mehr.
Von den Seiten, die in KI-Zusammenfassungen zitiert werden, standen zuletzt noch 37,9 Prozent in den ersten zehn Treffern. Rund ein Drittel der zitierten Seiten rankt nicht einmal in den ersten hundert. Ein Jahr zuvor lag die Überschneidung noch bei rund 76 Prozent.
Die Eintrittskarte hat sich also geändert.
Gleichzeitig sinkt die Zahl der Klicks. Erscheint eine KI-Zusammenfassung, klicken nur noch 8 Prozent der Nutzer auf ein Ergebnis, ohne Zusammenfassung sind es 15 Prozent. Auf Links innerhalb der KI-Antwort entfällt gerade einmal ein Prozent.
Ein Hinweis zur Ehrlichkeit: Google widerspricht dieser Darstellung und erklärt, das Klickvolumen sei stabil und die Klickqualität sogar gestiegen. Belege legt das Unternehmen dafür nicht vor. Die gegenteiligen Zahlen stammen aus einer unabhängigen Panel-Messung.
5. Die Begriffe, die im Verkaufsgespräch fallen
Wenn Sie ein Angebot für mehr Sichtbarkeit in KI-Suchmaschinen bekommen, stehen darin Abkürzungen. Hier sind sie in einfacher Sprache.
GEO, Generative Engine Optimization. Die Optimierung von Inhalten für KI-Antworten. Der Begriff ist neu, die Maßnahmen dahinter sind es größtenteils nicht.
AEO, Answer Engine Optimization. Dasselbe unter anderem Namen. Wer beides getrennt abrechnet, verkauft Ihnen eine Sache zweimal.
LLM, große Sprachmodelle. Die Programme hinter den Antworten. Sie sagen Wort für Wort voraus, was als Nächstes passt. Sie schlagen nichts nach, solange ihnen niemand Textstellen vorlegt.
Retrieval Augmented Generation. Genau dieses Vorlegen. Das Verfahren aus Abschnitt 3, das darüber entscheidet, wer als Quelle auftaucht.
Strukturierte Daten. Zusatzangaben im Quelltext einer Seite, die eine Maschine sicher zuordnen kann: Anschrift, Öffnungszeiten, Verfasser. Für die klassische Suche sind sie nützlich. Für KI-Antworten hält Google sie ausdrücklich nicht für erforderlich.
E-E-A-T. Googles Kürzel für Erfahrung, Fachwissen, Autorität und Vertrauenswürdigkeit. Es ist kein Messwert, sondern die Beschreibung dessen, was Googles Prüfer als gute Inhalte ansehen. Für ein Planungsbüro heißt das schlicht: Der Verfasser soll erkennbar sein und vom Fach.
Klassische SEO und technische SEO. Die Arbeit an Inhalten und die Arbeit an der Technik der Website, also Ladezeit, Aufbau und Lesbarkeit für Suchmaschinen. Beides bleibt die Grundlage, denn ein Teil der zitierten Seiten stammt weiterhin aus den vorderen Suchergebnissen.
Merken Sie sich eine Faustregel für das Gespräch. Wer Ihnen einen dieser Begriffe erklärt, ohne zu sagen, wie die Wirkung gemessen wird, verkauft Ihnen einen Namen.
6. Was messbar wirkt und was nur verkauft wird
Hier lohnt sich eine nüchterne Sortierung, weil in diesem Feld derzeit viel behauptet wird.

Am stärksten mit KI-Sichtbarkeit verbunden sind Erwähnungen der Marke im Netz. Die Auswertung von Ahrefs und Authoritas gibt dafür einen Zusammenhangswert von 0,66 an. Für Backlinks liegt er bei 0,22, also bei einem Drittel. Wichtig dabei: Es handelt sich um eine Korrelation, die Studie sagt das selbst. Ein Ursache-Wirkungs-Nachweis ist es nicht.
Auf der anderen Seite steht die llms.txt, eine Datei, die einer KI angeblich erklärt, wie sie eine Website lesen soll. Sie ist ein Vorschlag einer Einzelperson, kein Standard. Eine Auswertung von 137.210 Domains ergab, dass 97 Prozent dieser Dateien in einem vollen Monat kein einziges Mal abgerufen wurden.
Philipp Götza, Berater bei einer SEO-Agentur, sagt dazu in einer Fachbefragung: „llms.txt. Vorgeschlagen, nie wieder vom Autor befeuert und hält sich als Mythos bis heute in den Köpfen.“
Am deutlichsten wird es in Googles eigener Dokumentation. Dort steht, hier in deutscher Übersetzung: „Es gibt keine zusätzlichen Voraussetzungen, um in AI Overviews oder im AI Mode zu erscheinen, und auch keine sonstigen speziellen Optimierungen, die notwendig wären.“ Ergänzend heißt es dort, es brauche weder neue maschinenlesbare Dateien noch besondere strukturierte Daten.
Wer Ihnen eine Spezialdatei als notwendige Maßnahme verkauft, hat dafür keine Grundlage.
7. Die Crawler und die robots.txt
Jeder Anbieter schickt eigene Programme durchs Netz, die Seiten abrufen. Bei OpenAI heißen sie GPTBot für das Training, OAI-SearchBot für die Suche und ChatGPT-User für Abrufe, die ein Nutzer auslöst. Perplexity und Anthropic haben eine vergleichbare Aufteilung.
Diese Programme lassen sich in der Datei robots.txt ansprechen. Wer den Trainings-Crawler sperrt, verhindert die Verwendung zum Training. Wer den Such-Crawler sperrt, taucht in den Antworten nicht mehr auf.
Eine Einschränkung müssen Sie kennen. Die nutzerausgelösten Abrufe halten sich nach eigener Auskunft der Anbieter nicht zwingend an diese Datei. Die robots.txt ist damit eine Bitte, keine Sperre.
Und noch ein Punkt, der oft falsch dargestellt wird. Googles Steuerung namens Google-Extended betrifft laut Dokumentation die Gemini-Anwendungen, nicht die KI-Antworten in der Google-Suche. Ein Ausstieg allein aus diesen Antworten ist dort nicht beschrieben.
8. Was ein Büro selbst in der Hand hat
Die gute Nachricht: Es ist wenig, und es ist fachlich vertraut.
Erwähnungen in Fachmedien. Ein Fachbeitrag, ein Vortrag, eine Nennung in einem Verbandsorgan. Genau das ist der Faktor mit dem stärksten gemessenen Zusammenhang.
Widerspruchsfreie Angaben. Name, Adresse und Rechtsform müssen überall gleich lauten, im Kammerverzeichnis wie im Impressum. Widersprüchliche Belegstellen erzeugen widersprüchliche Antworten.
Erkennbare Autoren. Google empfiehlt in seiner eigenen Dokumentation ausdrücklich, Beiträge mit einer Autorenangabe zu versehen und diese mit Angaben zur Person zu verknüpfen.
Eindeutige Sätze. Johan v. Hülsen, Geschäftsführer einer SEO-Agentur, beschreibt in derselben Fachbefragung, was zitierfähig macht: „Kurze klare Sätze mit Belegen. Sätze die nicht in unterschiedliche Richtungen interpretiert werden können.“
Das ist dasselbe Prinzip, nach dem Sie eine Leistungsbeschreibung verfassen.
Eine einfache Messung. Stellen Sie dieselben fünf Suchanfragen einmal im Monat in zwei Systemen und notieren Sie, welche Büros genannt werden. Werkzeuge dafür gibt es, für den Anfang genügt eine Tabelle. Wie viel Traffic von dort auf Ihre Website kommt, zeigen Ihnen die Google Search Console und Google Analytics.

9. Häufige Fehler
Auf eine Spezialdatei setzen. Nach der derzeitigen Beleglage ohne messbare Wirkung.
Texte von der KI schreiben lassen. Was die Systeme selbst erzeugen können, macht Sie nicht zur Quelle.
Nur die eigene Website pflegen. Zitiert wird, wer außerhalb der eigenen Domain vorkommt.
Widersprüchliche Firmendaten. Drei Adressvarianten in drei Verzeichnissen sind drei Belegstellen gegeneinander.
Ohne Autorenangabe veröffentlichen. Ein Beitrag ohne Verfasser ist schwerer zuzuordnen.
Zahlen ohne Quelle. Die Systeme greifen bevorzugt auf Belegbares zurück, und Ihre Leser ebenfalls.
Der teuerste Fehler ist der Kauf einer Maßnahme, deren Wirkung niemand messen kann.
10. Häufige Fragen
Muss ich jetzt zusätzlich zu Google auch die KI-Suche bedienen?
Nach Googles eigener Dokumentation sind für die KI-Antworten keine gesonderten Maßnahmen nötig. Die Unterschiede liegen darin, welche Quellen ausgewählt werden, nicht in einer zweiten Technik.
Bringt eine llms.txt etwas?
Nach derzeitiger Beleglage nicht. Sie kostet wenig und schadet nicht, eine messbare Wirkung ist aber nicht nachgewiesen.
Brauche ich strukturierte Daten?
Für die klassische Suche sind sie sinnvoll, etwa für Angaben zu Standort und Öffnungszeiten. Als eigene Maßnahme für KI-Antworten sind sie laut Google nicht erforderlich.
Kann ich verhindern, dass meine Inhalte zum Training verwendet werden?
Sie können die Trainings-Crawler in der robots.txt sperren. Nutzerausgelöste Abrufe halten sich daran nach Anbieterangaben nicht zwingend.
Wie messe ich, ob mein Büro erwähnt wird?
Am einfachsten von Hand: dieselben fünf Fragen regelmäßig in zwei Systemen stellen und notieren, welche Büros genannt werden. Es gibt dafür auch Werkzeuge, für den Anfang reicht eine Tabelle.
Wie lange dauert es, bis sich etwas ändert?
Erwähnungen entstehen über Monate, nicht über Wochen. Wer heute anfängt, sieht die ersten Veränderungen im nächsten Halbjahr.
Sind die Angaben der KI verlässlich?
Nur bedingt. 42 Prozent der Nutzer haben bereits falsche Angaben erhalten, und eine Untersuchung von acht Systemen fand bei über 60 Prozent der Abfragen fehlerhafte Quellenzuordnungen.
Lohnt sich das für ein kleines Büro überhaupt?
Die vier Maßnahmen aus Abschnitt 8 sind ohnehin gute fachliche Praxis. Ein eigenes Budget dafür lohnt erst, wenn Sie überregional oder in einem Spezialgebiet auftreten wollen.
11. Fazit
In KI-Suchmaschinen gefunden werden ist keine neue Disziplin, sondern eine Frage der Belege. Die Systeme geben weiter, was sie an nachvollziehbaren Stellen finden, und sie geben nichts weiter, was nirgends steht.
Das Vorgehen ist deshalb unspektakulär. Fachlich sichtbar werden, Angaben überall gleich halten, Beiträge mit Namen zeichnen und Sätze schreiben, die nur eine Lesart zulassen. Alles andere ist derzeit nicht belegt.
Fangen Sie bei den Erwähnungen an, nicht bei den Dateien.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Beratung. Die technischen Grundlagen der KI-Suche verändern sich schnell; alle genannten Zahlen stammen aus den jeweils angegebenen Quellen zum Zeitpunkt der Veröffentlichung und sollten vor einer Investitionsentscheidung erneut geprüft werden.



Kommentare